Das Kanzleileben

Nun ist es doch schon eine ganze Weile her, seit ich das letzte Mal von mir hören ließ. Als Begründung gebe ich selbstverständlich an, dass so viel zu tun ist. Natürlich ist das wahr, doch will ich nun versuchen in mehreren Beiträgen, deren Abstand eben nicht so groß sein soll zu erzählen, was ich so mache.
Heute beginne ich also mit meiner Arbeit. Ich bin Praktikantin in einer Anwaltskanzlei. Die Arbeitssprache ist für mich Englisch, das ist, da die Kanzlei ohnehin sehr viele englischsprachige Fälle bearbeitet kein Problem. Eher ist es für mich ein Problem, denn ich kann mich zwar gut verständigen, doch ist mein Englisch bei weitem nicht so perfekt wie das der Anwälte oder Konzipienten. Manchmal ist mir das etwas peinlich.
Zweimal pro Woche pilgere ich also auf die andere Seite (Buda), um in der Kanzlei etwas zu tun. In der ersten Woche war ich auch sehr begeistert von meiner Arbeit, da es gleich einiges für mich zu tun gab. Ich habe einen deutschsprachigen Handelsvertretervertrag übersetzt und an einem Vertrag aus Südafrika gearbeitet. Übersetzen denken sich manche vielleicht, ist jetzt nicht gerade eine anspruchsvolle juristische Tätigkeit, doch das stimmt zumindest für mich nicht. Denn zum einen habe ich noch nie übersetzt, und lerne deshalb viele juristische Vokabel, was ja durchaus nützlich ist, zum anderen erledigen Praktikanten meistens nur Behördenwege, weshalb es schon eine sehr juristische Tätigkeit ist, überhaupt einen Vertrag zwischen die Finger zu bekommen.
So habe ich also recht glücklich die erste Woche in der Kanzlei zugebracht.
In der zweiten sah das schon anders aus. Denn es gab keine Arbeit mehr für mich. Die nette Sekretärin hat zwar an alle Kollegen ein E-Mail geschrieben, indem sie sie informierte, dass man mir Arbeit bringen könnte, doch von diesem Angebot machte leider niemand gebrauch. Eine sehr frustrierte zweite Woche mit Plänen, wie ich möglichst schnell aufhören könnte.
Die dritte Woche war arbeitsmäßig ein MIttelding zwischen erster und zweiter. Der Kollege, mit dem ich das Zimmer teile (ja ich habe übrigens einen eigenen Arbeitsplatz, im selben Ausmaß wie alle Anwälte) gab mir also etwas zu tun. Leider ist es einerseits sehr mühsam, andererseits kommt nichts produktives dabei heraus. Ich sollte nämlich Judikatur bezüglich des Vergabeverfahrens öffentlicher Körperschaften auf europäischer Ebene suchen. Zuerst habe ich mich also durch 100 Seiten Richtlinie gekämpft, um einigermaßen auf einen Wissensstand zu kommen, mit dem ich dann fähig bin, relevanten Urteile zu finden- leider habe ich trotzdem keine gefunden.
Geendet hat die 3. Woche dann nicht am Mittwochnachmittag, sondern erst Donnerstag Abend. Denn anlässlich des internationalen Tages der Frau, der hier mit ungefähr doppelt so vielen Blumen wie am Valentinstag celebriert wird, hat uns der Kanzleibesitzer zum Essen eingeladen.
Wider meiner Erwartungen war es ein sehr netter Abend, der leider mit einer völlig überteuerten Taxifahrt geendet hat.
So viel also zu meinen beruflichen Fortschritten. Womit ich nächstes Mal beim Erzählen weiter mache, weiß ich noch nicht.

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